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Constance SmedleyGeschichte

Die Anfänge der Deutschen Lyceum-Clubs

Christa Glahn, Föderationspräsidentin der Internationalen Lyceum-Clubs in Deutschland

Aus Anlass des 100. Geburtstages des Internationalen Lyceum Clubs Hamburg in diesem Jahr sowie der Gründung des Internationalen Lyceum-Clubs Berlin im Jahr 1905, möchte ich im folgenden einen kurzen Abriss über die Anfänge der Lyceum-Clubs in Deutschland geben.

Im späten 19. Und frühen 20. Jahrhundert erlebt die Friedensbewegung in Europa eine Renaissance. Sie wendet sich zunehmend fortschrittlichen Ideen wie dem Sozialismus und dem Feminismus zu und organisiert internationale Friedenskongresse als Antwort auf die zunehmenden europäischen Feindseligkeiten. Die Bereitschaft der Frauen, sich selbst zu einem besseren Selbstverständnis und zu geistiger Freiheit zu verhelfen, nimmt konkrete Formen an.

Die Geschichte der Deutschen Lyceum-Clubs beginnt am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in London, wo Constance Smedley im Juni des Jahres 1904 den Internationalen Lyceum-Club ins Leben ruft. Und schon ein Jahr später, im November 1905, reist sie zur Gründungsversammlung des Lyceum-Clubs nach Berlin.

Und obwohl in den europäischen Großstädten bereits Clubs existieren, zu denen ausschließlich Frauen Zugang haben, besteht der Bedarf nach einer besonderen Art von Clubs. Die Besonderheit dieser neuen Clubs ist die Idee von Constance Smedley, „Zentren intellektuellen und künstlerischen Lebens zu errichten und so den geistigen Austausch zwischen kultivierten Frauen aller Nationen zu fördern.“

Den Anstoß zur Gründung des ersten Lyceum-Clubs in Deutschland gibt ein großer internationaler Frauenkongress, der im Jahr 1904 in Berlin veranstaltet wird. Mit Unterstützung der deutschen Kaiserin sollen alle relevanten nationalen und internationalen Frauenverbände vereinigt und zu einem gegenseitigen Austausch angeregt werden.

Die in Berlin erscheinende Tageszeitung „Berliner Tagblatt“ schreibt 1904, anlässlich der Vorbereitungen für die Gründung des Berliner Lyceum-Clubs: „Wenn es den Gründerinnen gelingt, ihre Organisation aus allen ideologischen Strömungen und Klassenkämpfen herauszuhalten, könnte diese Bewegung zu einer internationalen intellektuellen Macht werden.“

In Hamburg wird der „Frauenclub Hamburg“ im Dezember 1906 gegründet. Das ist die Geburtsstunde des Frauenclubs, der sich heute mit Stolz „Internationaler Lyceum Club Hamburg“ nennt. In der Satzung von 1906 ist festgeschrieben, dass der Club den Zweck verfolgt, die geistigen, sozialen und materiellen Interessen seiner Mitglieder zu fördern. Ohne sich direkt an dem Lyceum-Club in London zu orientieren, ist der Hamburger Club so weit von den Idealen Constance Smedleys zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht entfernt. Erwähnenswert ist noch, was diese Satzung unter §7. aufführt: „In die Erfrischungsräume können Gäste der Klubmitglieder (auch Herren) kostenlos eingeführt werden.“ An dieser Stelle hat der Frauenklub Hamburg dem Lyceum-Club in London wohl einiges voraus.

Im Jahr 1986 erlebt der Hamburger Club einen seiner Höhepunkte. Unter dem Thema: „Neue Perspektiven für die Frauen am Ende des 20. Jahrhunderts“ richtet er den Internationalen Kongress der weltweiten Lyceum-Clubs in der Hansestadt aus. Unter der Schirmherrschaft von Frau Marianne von Weizsäcker, der Gattin des damaligen Bundespräsidenten, nehmen Teilnehmerinnen aus dreizehn Ländern an der Veranstaltung in Hamburg teil. Sie sind begeistert von den gelungenen Veranstaltungen und dem anspruchsvollen Kulturprogramm.

So wie in Hamburg, werden auch in anderen deutschen Städten Frauenklubs gegründet, die anfänglich nicht in direktem Zusammenhang mit den Lyceum-Clubs stehen. Schon im Jahr 1902 entsteht der „Kölner Frauenclub“ und 1904 wird in Stuttgart der „Deutsche Frauenclub“ gegründet, der Musikabende, Vorträge und Bazare für seine Mitglieder veranstaltet.

Zwischen 1911 und 1949 kommen die Frauenclubs in Aachen, München, Karlsruhe und Konstanz dazu. Auch sie widmen sich der Förderung von Frauen in den Bereichen Bildung, Kunst und Wissenschaft. Zuletzt wird im Jahr 1996 der Club „Rhein-Main“ Mitglied in der Föderation der Deutschen Lyceum-Clubs.

Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft in Deutschland und zu Beginn der entbehrungsreichen Jahre der Nachkriegszeit gelingt es starken Frauen, die Clubs unter größten Schwierigkeiten wieder neu entstehen zu lassen. Diesen tatkräftigen Persönlichkeiten gilt unser besonderer Dank, denn sie haben es verstanden, das internationale Vertrauen in die deutschen Frauenclubs wieder herzustellen.

Im Jahr 1956 wird der Verband der Deutschen Lyceum-Clubs auf dem Weltkongress in Bern offiziell wieder in die Internationale Vereinigung der Lyceum-Clubs aufgenommen. Zur ersten Präsidentin des Deutschen Verbandes wird die Präsidentin des Hamburger Clubs, Frau Gertrud Behrens gewählt.

Auch wenn die Schatten der beiden Weltkriege auf den Anfängen der Deutschen Lyceum- Clubs liegen, so sind sie heute wieder ein geachteter Teil der internationalen Gemeinschaft der Lyceum-Clubs.

Wenn ich noch einmal auf die bereits zitierte Aussage von 1904 des „Berliner Tagblatt“ zurückkomme, so kann ich feststellen, dass sich die Internationale Vereinigung der Lyceum- Clubs heute, wenn auch nicht zu einer Macht, so doch zu einer viel beachteten internationalen intellektuellen Bewegung entwickelt hat.

Ihr anzugehören erfüllt uns mit Dankbarkeit und Stolz. Return to top

 


Die Anfange

Wie viele große Leistungen im Leben begann der Internationale Verband der Lyceum-Clubs mit einem Traum – dem Traum einer jungen Frau und einer kleinen Gruppe Freundinnen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in London lebten. Die junge Frau war Constance Smedley, und sie und ihre Freundinnen Christina Gowans Whyte, Elsa Hahn, Violet Alcock und die Amerikanerin Jessie Trimble waren Mitglieder des Writers Club.

1902 begannen Frauen, langsam die männlich geprägte Berufswelt zu erobern, und es ist durchaus anzunehmen, dass Constance und ihre Gruppe die Herrenwelt beobachteten, die es sich in den Londoner Clubs bequem machte, und sich fragten: “Warum nicht auch Frauen?”

In Gesprächen untereinander begann die Gruppe, sich “einen idealen Club [für Frauen]” vorzustellen, “mit Zweigstellen in allen Ländern der Welt und [einer] Kette von Clubhäusern” in den wichtigsten Hauptstädten weltweit. Im Wesentlichen hatten sie damit die gegenwärtige Welt der Lyceum-Clubs vorhergesehen.

Constance wurde von ihren “wichtigsten Co-Adjutantinnen”, wie sie ihre Freundinnen gerne bezeichnete, dazu auserwählt, mit dieser Idee an das Komitee des Writers Club heranzutreten. In ihrer Autobiographie Crusaders (Duckworth, London 1929) erzählt sie, wie das Komitee des Writers Club fragte, wer dies organisieren würde.

Voll jugendlichen Selbstvertrauens und vielleicht mit einem Anflug von Tapferkeit sagte sie: “Ich.” Sehr zu ihrem “Erstaunen und ihrer Schande” lehnte das Komitee ihren Vorschlag ab.

Doch diese Abfuhr schreckte Constance nicht ab, sondern motivierte sie noch mehr. Die Gruppe traf den Beschluss, “einen neuen Club zu gründen”, und obwohl die Gruppe nicht über Geld verfügte, war sie fest entschlossen, ihren Traum weiterzuverfolgen. Die Frauen entschieden, vorerst ein vorläufiges Komitee zu bilden. Da der geplante Club damals nur “Schriftstellerinnen und Illustratorinnen” offen stehen sollte, schrieb Constance die ersten Briefe – insgesamt sechzig – an herausragende Frauen auf diesem Gebiet. Nur zwei boten ihre Unterstützung an.

Durch das mangelnde Interesse noch immer nicht entmutigt, schrieb sie diejenigen erneut an, die mit Bedauern eine abschlägige Antwort erteilt hatten, sowie andere Frauen, die, wie sie hoffte, Interesse zeigen könnten. Langsam nahm ein vorläufiges Komitee Gestalt an.

In dieser Phase erkannten die Frauen, dass es für einen Club auch ein Clubhaus für die Treffen geben musste. Constance und ihre Freundinnen wandten sich an Constances Vater, W. T. Smedley. Als erfolgreicher Geschäftsmann hatte er Erfahrung mit der Finanzierung und dem Kauf von Grundbesitz und war zudem mit modernen Ansichten gesegnet. Herr Smedley war der Überzeugung, dass Frauen Recht auf “ein Berufsleben und Freiheit zur Entwicklung” hatten, und er versprach, bei der Suche nach einem geeigneten Gebäude behilflich zu sein. Doch wie bei allen guten Märchen – und die Gründung des ersten Lyceum-Clubs wies in gewisser Weise einige Aspekte eines solchen Märchens auf – gab es eine Bedingung.

Zuerst musste das vorläufige Komitee eintausend Mitglieder finden, die alle einen Jahresbeitrag von einer Guinee (oder einundzwanzig englischen Schillingen) zahlen würden. Selbst diese Aussicht konnte Constance nicht von ihrem Ziel abhalten. In ihrer Autobiographie schreibt sie: “Das Merkwürdige an der Gründung des Lyceum-Clubs war, dass es mir trotz all der Entmutigungen zu Beginn nie in den Sinn kam, auch nur einen Augenblick den Glauben an die Idee zu verlieren.” Also schrieb sie mehr Briefe und führte weitere Gespräche.

Der Name “Lyceum” wurde von der Amerikanerin Jessie Trimble für den neuen Club vorgeschlagen. In den Vereinigten Staaten repräsentierte der Name ein Zentrum für Vorlesungen und Diskussionen, während der Begriff in Europa, wo er vor etlichen Jahrhunderten in Athen seinen Ursprung gefunden hatte, gleichermaßen verständlich war.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gruppe entschieden, dass die Mitgliedschaft nicht nur Schriftstellerinnen und Künstlerinnen offen sein sollte. Die Schwester von Constance Smedley schlug vor, Frauen mit akademischer Qualifikation und auch eine dritte Gruppe aufzunehmen: “die Ehefrauen und Töchter distinguierter Herren.”

SLyceum Club in Piccadillychließlich entschied die Gruppe, dass es notwendig sein würde, eine bekannte, überall respektierte Frau zur Leiterin des neuen Lyceum-Clubs zu machen. Ein Gruppenmitglied schlug Lady Frances Balfour vor, die Tochter des Herzogs und der Herzogin von Argyll und Schwägerin des britischen Premierministers Arthur Balfour. Lady Frances, eine hervorragende Rednerin, widmete sich Frauenfragen, und obwohl sie oft bei öffentlichen Suffragetten-Treffen sprach, lehnte sie gewaltsame Proteste ab. Obwohl sie beschlossen hatte, die Einladung zur Leitung des vorläufigen Komitees abzulehnen, erklärte sich Lady Frances zu einem Treffen mit Constance bereit. Als sie sich die Pläne für den neuen Lyceum-Club anhörte, änderte sich ihre Einstellung, und sie beschloss, die Einladung, die erste Vorsitzende des vorläufigen Komitees zu werden, anzunehmen. Fünfzehn Jahre lang nahm sie die Aufgaben der leitenden Vorsitzenden und Präsidentin des Clubs wahr. Mit Lady Frances hatte man eine hervorragende Wahl getroffen.

Bald stellte sich heraus, dass man 1000 Mitglieder für den neuen Londoner Lyceum-Club gefunden hatte. Die ersten Wahlscheine wurden im März 1903 ausgestellt, und das neue Clubhaus wurde ein Jahr später in Piccadilly bezogen.

Fortsetzung folgt:

Weitere Themen:

Deutschland und Holland
Der Pariser Lyceum-Cub
Florenz
Unser Abzeichen

Hinweis: Dieser geschichtliche Abriss basiert auf Material aus folgendem Buch: Constance Smedley, Crusaders: The Reminiscences of Constance Smedley (Mrs Maxwell Armfield) (Duckworth, London 1929).

Internationalen Kongresses 2004 Hauptvortrag von Dr Grace Brockington.

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